Buddhismus - Eine Spurensuche in der westlichen Kultur
Shownotes
Ein Interview geführt im HR2 (Hessischen Rundfunk).
In diesem Buch wird der Präsenz des Buddhismus als Idee und Lebensmodell im westlichen Denken und bis hinein in die Tiefen des Alltagslebens nachgespürt. Buddhistische Sichtweisen auf Leid und Freude, Vergänglichkeit und Erlösung finden sich auch bei vielen unserer Schriftsteller, Philosophen und Theologen. Parallelen gibt es weiterhin zur modernen Wissenschaft. Buddhistisches Denken hat bereits auf Gebiete wie die Psychologie und Ökologie ausgestrahlt und kontrastierende Forschungen angeregt. Es wurde auch schon versucht, buddhistische Wahrheiten anhand der Erkenntnisse der Quantenphysik zu belegen. Das war nicht immer erfolgreich, wie in diesem Buch gezeigt wird und auch, warum der Buddhismus selbst keine Wissenschaft ist. Dabei werden sehr unterschiedliche Quellen herangezogen, die auf diese Weise bisher nur selten zusammenflossen.
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00:00:00: HR II Kultur an diesem Freitag Nachmittag.
00:00:03: Viele Menschen suchen nach Spiritualität, nach einem tieferen Sinn des Daseins.
00:00:08: manche finden ihn in der Religion und da wollen wir jetzt über den Buddhismus sprechen.
00:00:14: vom Buddhismus geht gerade für Menschen in der westlichen Welt nochmal eine besondere Faszination aus.
00:00:20: wie lässt sich östliche Weisheit authentisch mit westlicher Rationalität Vereinfachungen abzugleiten.
00:00:31: Das ist eine Frage, die Hans Günther Wagner schon lange umtreibt.
00:00:35: Er isst China-Experte und hat lange dort gelebt, hat chinesisch unterrichtet am hessen Kollege in Kassel.
00:00:42: Und sein neuestes Buch heißt Buddhismus – Eine Spurensuche in der westlichen Kultur.
00:00:48: Hallo Herr Wagner!
00:00:50: Was hat sie denn ursprünglich zum Buddhismus und seine Erforschung gebracht?
00:00:56: Also ich hatte schon immer ein tiefes und eingehendes Interesse an existenziellen Fragen des Lebens.
00:01:02: Und habe da beinahe Antworten, also nicht nur im Kretzentum oder der kriegischen Philosophie gesucht, sondern auch in asiatischen Religionen.
00:01:09: Dann hatten wir einen beruflichen Aufenthalt über zehn Jahre – in China werden er, während der neunzehnten Nullerjahre die Möglichkeit gegeben, mich umfassend mit dem Dauismus und dem Buddhismus zu befassen Und zwar nicht nur mit den Texten, sondern auch mit den beiden als gelebter Religion.
00:01:25: Ich habe viele religiöse Städten besucht und das hat mich sehr inspiriert weiter zu diesem Thema zu arbeiten.
00:01:31: Was glauben Sie?
00:01:32: Was macht die Faszination Buddhismus aus?
00:01:36: Es sind zwei verschiedene Momente.
00:01:38: Einmal ist es eine exotische Faszination.
00:01:41: Man schaut nach dem fremden was einem unbekannt ist und hofft etwas zu finden, was man in der eigenen Kultur nicht so finden glaubt.
00:01:48: Und dann ist es aber auch das Entdecken etwas Bekannten.
00:01:51: Man entdeckt den Buddhismus, Existenzielle Fragen die sich auch in unserer Kultur stellen, aber auf die teilweise andere Antworten gegeben werden.
00:02:00: Das ist also eine Doppeldeutigkeit von Suche nach Fremden und finden von Vertrauten.
00:02:06: Was sind das für andere Antwortens auf existenzielle Fragen?
00:02:10: Wo kann der Buddhismus uns als westlichen Menschen weiterhelfen?
00:02:17: Er ist zunächst einmal ein sehr erprobtes System spiritueller Übung.
00:02:21: Was Buddha vor über zweieinhalb Tausend Jahren lehrte, waren Techniken der Meditation und Versenkung.
00:02:27: Der Innen-Schau, die es im Christentum zwar auch gab aber die eher einen Schatten da seien, fristet.
00:02:32: man denke am Meister Eckhart und ähnlich.
00:02:35: Techniken der Versenkung wuchten in buddhistischen Klosteren über zweieinhalb Tausend Jahre gepflegt und weiterentwickelt.
00:02:41: Und sind auch im Zwischen im Westen verbreitet werden zum Beispiel heute im Rahmen von Achtsamkeitsmeditation in der Psychotherapie und anderen Gebieten eingesetzt, aber Buddhismus ist gleichzeitig mehr als diese Versenkungen.
00:02:57: Diese Übung ist eine Beschäftigung mit den existenziellen Fragen des Lebens nach dem richtigen Weg durchs Lebens.
00:03:05: Also in der buddhistischen Tradition ist neben der Versenkung der ethische Lebenswandel und das Studium, das Schrift... Das sind die drei Pfeiler des Buddhismus.
00:03:15: Und der große Unterschied zur westlichen Tradition liegt halt darin dass die Religion sich sehr stark auf Erfahrung stützt.
00:03:21: man muss also nicht an eine überweltliche Offenbarung glauben sondern es gründet sich auf Innenschau die nach den Methoden Buddhas, jeder wenn er nur gewissen darf praktiziert auch nahvollziehen können soll.
00:03:35: Der Buddhismus gilt gemeinhin als sehr pacifistische Religion.
00:03:39: würden Sie das bestätigen?
00:03:42: Die ursprüngliche Intention Buddha ist sicherlich pacifisch.
00:03:46: Das ist im Prinzip absoluter Gewaltfreiheit kein anderes Wesen zu verletzen da so die buddhistische Lehre alle Wesen im Grunde die über die gleiche erleuchtete Natur verfügen.
00:03:58: In den verschiedenen Traditionen wird das Buddha-Natur manchmal etwas anders genannt.
00:04:03: Tatsächlich gibt es aber in der Geschichte des Buddhismus auch eine geschichterte Gewalt, beginnen damit dass der Buddhismus zur Staatsmachtwuchte sich mit der Staatsmachts arrangieren muss.
00:04:14: und tatsächlich haben in der Geschichte des Buddhismums bis in die Gegenwart Budisten auch an Kriegenteil genommen.
00:04:21: Im Zweiten Weltkrieg haben japanische Sen-Meister die Soldaten zum Kampf gegen den Gegner aufgerufen und damit Mocht und Gewalttaten legitimiert.
00:04:29: aber heute, selbst heute finden wir in Sri Lanka buddhistische Mönche mit ausgeprägt rassistischen Ansichten.
00:04:36: im Myernmach gibt es buddhisten, die gegen die Rohingya die Minderheit hetzen und damit auch den Massenbordern der Einheimischen Bevölkerung indirekt gefördert haben, also zwischen dem Buddhismus als reiner Lehrer und der Praxis des Buddhismus über die Jahrhunderte gibt es ganz vergleichbar den Christentum große Diskrepanzen.
00:04:59: Welche weiteren Missverständnisse über den Buddhismus begegnen ihnen denn häufig?
00:05:04: Und was findet sich dazu in ihrem Buch?
00:05:07: Ein Missverständnis ist den Buddhismus als etwas ganz Fremdes Asiatisches zu betrachten, der sehr wenig mit unserem eigenen Leben zu tun hat.
00:05:15: Tatsächlich lehrt aber Buddha wie man mit seinen Emotionen umgehen soll.
00:05:20: Er lehrte, wie schädlich es ist, begirrten hemmungslos nachzugeben.
00:05:24: Er lernte, wie positiv für sich und andere friedlich und rücksichtsvoll mit anderen umzugehen.
00:05:29: Insofern kann man sagen, gäbe es etwas mehr authentische buddhistische Praxis würde unsere Gesellschaft etwas anders aussehen.
00:05:36: Leider ist der Buddhismus sehr breit.
00:05:38: zwischen dem Tibetischen Buddhismus, den Bundschiller in Bilderwelten und der Schlichtheit etwa des japanischen Sen Buddhismus gibt es einen riesen Unterschied.
00:05:47: man muss eigentlich von verschiedenen Buddhismen sprechen und es ist jetzt halt so dass eine bestimmte Form des Buddhismus der Guru, der alles weiß zu dessen Füßen man sitzt und ehrfruchtvoll jedes Wort von seinen Lippen abliest oder der Dalai Lama also eine Art buddhistischer Papst.
00:06:05: Das sind leider Vorstellungen die heute den Buddhismus im Westen prägen.
00:06:09: das erfasst aber nicht den Buddhismus in seiner gesamten Breite und Vielfalt und das treibt mich ja immer wieder an mich damit zu befassen denn je mehr ich in den Buddhismuseindringung nach suche suchen nach Entsprechungen mit westlichen Vorstellungen westlichen Glaubenslehren, westlichen Philosophieren und so mehr entdecke ich wie groß dieses Feld ist.
00:06:29: Also das Forschungsfeld wächst, je mehr man sich damit
00:06:33: befasst.".
00:06:34: Und Sie können sich ja auch über die Sprache nähern.
00:06:37: als Übersetzer von Sutras- und Chandichtung aus dem chinesischen Kennen sie auch linguistische Fallstricke?
00:06:44: Wie prägen denn sprachbarrieren Missverständnisse bei der westlichen Rezeption des Buddhismus?
00:06:50: Da haben Sie natürlich einen ganz wichenden Punkt angesprochen.
00:06:53: Das ist im Prinzip so, jeder Mensch erklärt sich selbst und anderen die Welten mit den Begriffen, die ihm von Kindheit einfach mittelt werden.
00:07:03: Und diese sind natürlich in jeder Kultur verschieden.
00:07:06: Und das auch die Grundlage der interkulturellen Missverständnissen.
00:07:10: Wenn man als Beispiel mal nennt ein Trache... In unserer Vorstellung ist Drache ein furchtbares Wesen, das Siegfried heroisch töten muss in seinem Blut baden und dadurch Kraft gewonnen hat.
00:07:20: Aber der Drache in der chinesischen Vorstellung Das ist ein wunderbares Wesen, so eine Art Wolpert-Dinger mit Hörnern und Fischschuppen.
00:07:28: Mit dem Leib einer Schlange und alles sehr bunt.
00:07:30: Wir sind Freunde der Kinder und allein die Vorstellung man müsse einen Drachentöten in der chinesischen Kultur etwas völlig Absurdes und
00:07:39: Grauenhaftes.".
00:07:40: Wenn Sie so auf den nächsten Jahrzehnte blicken wie könnte sich der Dialog zwischen Buddhismus und westlicher Kultur weiter entwickeln?
00:07:47: Ich denke, er geht immer mehr in Einzelfragen.
00:07:49: Als der Buddhismus so im neunzehnten Jahrhundert kleiner und erst dann im größeren Umfang nach Europa kam, wurde ja zunächst mal wahrgenommen als eine Vernunft-Religion, also eine Religion deren Glaubensüberzeugungen nahvollziehbar sind von irgendwelchen Zumutungen an den gesunden Menschenverstand, was jetzt Weltschöpfung oder Ähnliches angeht.
00:08:09: Da ging es um die großen Fragen gibt das ein Gott als Weltsköpfer?
00:08:12: Jetzt steht die Welt aus sich.
00:08:14: müssen wir uns am Ende vor einem jüngsten Gericht verantworten oder gibt es am Ende eine Wiedergebucht und wir werden entsprechend unseren karamischen Handlungen wieder geboren?
00:08:24: aber inzwischen geht die Auseinandersetzung mit dem Buddhismus schon in viel größere Einzelheiten.
00:08:29: also Philosophen neue Phänomenologen setzen sich damit auseinander.
00:08:33: Wie sind buddhistische Konzeption der Zeit, der Wahrnehmung?
00:08:37: Neurophysiologen untersuchen wie sich das Gehirn im Rahmen von Meditation verändert.
00:08:43: Also es geht heute mehr um die vielen, vielen kleineren Fragen und nicht nur um die ganz großen Fragen.
00:08:48: Die sind irgendwann mal durchdekliniert worden, kommen immer noch neue Aspekte raus.
00:08:52: Die Auseinandersetzung mit dem Buddhismus steht nicht mehr am Anfang aber je mehr man sich damit verfasst, umso größer wird das Feld.
00:08:58: Es gibt also hier auch ein Wachstum der Grenzen
00:09:01: Und mit ihrem Buch kann man sich intensiv damit beschäftigen.
00:09:05: Fünfhundert Seiten Buddhismus, eine Spurensuche in der westlichen Kultur.
00:09:10: Ganz herzlichen Dank Hans-Günter Wagner!
00:09:13: Vielen dank Frau Rengg.
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